Archive for the ‘Netzwanderungen’ Category

Paywall: Der Trend zum bezahlten Zeitungsinhalt

Wednesday, January 18th, 2012

In Slowenien wurde gerade ein Bezahlsystem eingeführt, dass den Nutzern mit einem Beitrag, einem Nutzernamen und einem Passwort den unbeschränkten Zugang zu den wichtigsten Medienseiten verschafft. Voraus ging die erfolgreiche Implementation des Piano Media Systems in der Slowakei im letzten Jahr (spannender Podcast hier). Es ist erstaunlich und erfreulich wenn sich die Verleger eines Landes bei einem Thema zu einem gemeinsamen Vorgehen durchringen. Gerade im Internet sind die gescheiterten Versuche Legion und wir verfolgen hier gerne die Entwicklung.

Die Kunst liegt naturgemäss darin, durch die Einführung einer Paywall (eine eher unglückliche Wortwahl) den bestehenden Traffic und die dazugehörenden Werbeeinnahmen nicht oder nur geringfügig zu torpedieren. Die New York Times, die ebenfalls seit letztem Jahr versucht aus Nutzern zahlende Nutzer zu machen, hat dazu eine “poröse” Paywall eingeführt. Damit heisst es nicht “Entweder zahlen oder nichts bekommen”, sondern ganz viele Stufen führen zum Vollabo. Das scheint ein vielversprechender Ansatz auch in andern Häusern. Da können die ersten Artikel im Monat kostenlos sein. Ab dem 10. Artikel muss man sich zumindest anmelden und einloggen und erst als intensiver Nutzer wird man zur Kasse gebeten. Gleichzeitig sind zum Beispiel Artikellinks die auf sozialen Netzwerken geposted werden immer kostenlos. Hier flexibel operieren und auf laufenden Erfahrungen aufbauen zu können ist sicher ein Schlüssel zum Erfolg.

Onlinejournalismus: Sterne und Fackelträger

Monday, September 26th, 2011

Beim Onlinejournalismus ist es genau umgekehrt wie beim “einfachen Fussballspiel” gemäss Gary Lineker. Hier gewinnen immer die Engländer oder genauer die BBC. So auch beim diesjährigen Online Journalism Award der Online News Association. Es lohnt sich immer, den Preisträgern nachzuspüren.

Zum Beispiel Pro Publica, der Webseite, die sich mit grosser Hingabe und viel Qualität dem investigativen Journalismus widmet (über die hohe Sterblichkeitsrate von Dialysepatienten in den USA). Oder die Voice of San Diego mit ausgezeichneter lokaler Berichterstattung. Ein attraktives Element ist dabei der “Fact Check“, in dem Aussagen von Politikern und Staatsangestellten auf den Prüfstand gestellt werden.

Und wer sie verpasst hat, sollte sich die Informationsanimation von ZEIT Online anschauen die aufzeigt, wie unglaublich transparent unser aller Leben geworden ist. So transparent, man wundert sich, dass man überhaupt noch einen Tatort basteln kann bei dem nicht innert Minuten klar ist, wer wo wann war.

Zeitung lesen ist eine soziale Aktivität

Friday, September 23rd, 2011

Der Guardian, der Independent und Le Monde werden unterschiedliche Facebook-Apps lancieren. Hier kann man diejenige des Guardian testen welche den Guardian innerhalb von FB platziert. Grundsätzlich liegt in dem Ansatz enormes Potential sowohl die Nutzerzahlen für die Zeitungsseiten zu erhöhen, wie auch die begehrten jungen Zielgruppen zu aktivieren. Beim Independet soll eine Social Box bei jedem Artikel erscheinen, bei Le Monde eine Empfehlungsleiste. Dem sozialen Status der digital Natives dürfte das Image der Zeitungen allen Unkenrufen zum Trotz zusätzlichen Glanz verleihen. Man darf sehr gespannt sein, ob hier nicht eine wirklich wichtige Weichenstellung für die Zeitungsbranche erfolgt ist. (Quelle:  Journalism.co.uk)

Wichtiges Neudesign von Boston Globe

Wednesday, September 14th, 2011

Es gibt viel zu loben an der der neu gestalteten Seite vom Boston Globe, auch vom nimmermüden Mario Garcia. Eine hervorragende Neuerung ist die aktualisierbare Navigation. Die würde ich mir fast überall wünschen.

Das Leben einer Nachricht im Social Web

Friday, April 29th, 2011

Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung der New York Times sucht Grundlagen zu liefern, die helfen, die Zukunft des Hauses zu sichern und gleichzeitig die Bedürfnisse der Nutzer/Leser optimal zu erfüllen. Eine interessante Initiative ist die Wirkungsforschung von Artikeln der New York Times in sozialen Netzwerken. Das Visualisierungsinstrument hilft wichtige Knotenpunkte zu identifizieren (wessen Weiterleitung hat den grössten Einfluss bei welchem Thema?) und die Lebensdauer bzw. Ausbreitungsgeschwindigkeit einer Nachricht zu messen. Sehr spannend für alle, die versuchen das Social Web für die eigenen Interessen zu nutzen.

Öffentlicher Nachruf – die NYT und Elizabeth Taylor

Wednesday, March 23rd, 2011

Die New York Times setzt seit Jahren Masstäbe im Umgang mit redaktionellen Inhalten. Gerade aufgefallen: Der Nachruf zu Liz Taylor auf der Frontseite. Vor allem der Einbezug der Leserkommentare – sie werden automatisch gewechselt – verstärkt das öffentliche Ereignis welches der Tod der Cleopatra genauso wie von Martha aus “Who is afraid of Virginia Woolf” ist. Die Einordnung der öffentlichen Person in das Leben der kommentierenden privaten Personen macht transparent, welche Rolle sie auch noch spielte.

The Daily Me – Flipboard

Thursday, July 29th, 2010

Es muss 1994 gewesen sein, als wir zum ersten Mal in ein Streitgespräch zum “Daily Me” gerieten. Leute aus der Medienbranche die das für und wider einer personalisierten Zeitung gegeneinander abwägten. Kann man wissen was einen interessiert und entsprechend schon vorher festlegen, was man lesen will? Oder ist es eben nicht genau jener “Serendipity”-Effekt, der uns bei der Zeitung immer wieder innerhalb eine bekannten Kontextes überrascht? Uns dabei hilft uns nicht nur auf uns selbst zu beziehen sondern Türen in neue Welten schafft? So und ähnlich waren die Kommentare. Nun taucht plötzlich Flipboard auf. Im Moment nur als App auf dem iPad. Und alles ist plötzlich wieder mal anders. Gemixt aus den persönlichen Inhalten der eigenen Twitter und Facebook-Welt sowie beliebiger Nachrichtenquellen und Blogs generiert Flipboard quasi “on the fly” das sehr persönliche, sehr schicke, sehr sauber gestaltete Magazin: “Facebook meets Gala meets Wired Magazine”. Es wäre nicht allzu überraschend, wenn wir in zwei Jahren festestellen, dass Flipboard dem Tablet-Computer den entscheidenden Schub gegeben hat. Erst die Applikation erklärt richtig, wieso es das iPad überhaupt gibt.

Der Chip im Ball

Wednesday, June 23rd, 2010

Aus aktuellem Anlass ein Griff ins Archiv: Fallrückzieher, NZZ, 2002 aus Dig-It

“Angekommen bei der perfekten Fussballgerechtigkeit, müssten wir dann jedoch auch einen Ersatz für die Fussball-WM suchen. Denn Unvollkommenheiten gehören zu uns wie der Stuhlgang. Eine Fussball-WM ist nichts anderes als das ritualisierte, befreiende und lebensnotwendige Erinnern an diese Beschränktheit. Glück spielt eine Rolle, und jeder stellt sich unter Druck anders und oft besonders ungeschickt an. Wir sind verletzbar, unvollkommen – und vergeben die dicksten Chancen.”

Netzwanderungen 2008

Thursday, November 20th, 2008
Hier eine Auswahl der Netzwanderungen 2008. Aus dem Archiv geholt.
20. Oct 2008

Qualität bei den Onlineseiten der Zeitungen

Über Qualität streiten muss man immer, wenn man mit Zeitungen arbeitet. Ausser wenn es um Online geht – da ticken Zeitungen seltsamerweise anders. Um der Diskussion mehr des vielen, dringend notwendigen Raumes zu geben hier der Hinweis auf einen mit Qualitäts-Beispielen (gute schlechte, ohne gute gute) gespickten Vortrag von Stefan Niggemeier.

28. Jun 2008

Was passiert eigentlich grade mit dem Netz?

Manchmal lohnt es sich, genauer hinzuschauen, wenn die Entwickler Ihre Treffen haben. Man mag sich an der eher selbstzentrierten Rhetorik reiben, wirklich wichtig sind allerdings die tatsächlich vorgestellten Konzepte an der Google Entwicklerkonferenz. In leicht verdaubaren 15-Minutenschritten präsentieren die Googler Chefentwickler unter dem Titel “Client, Connectivity and the Cloud” ihre neuen Ideen und Werkzeuge und beschreiben dabei gleichzeitig genau die Welt, in der auch die Zeitungen ihre neuen Geschäftsmodelle unterbringen müssen. Pflichtlektion die Lust darauf macht, die eigenen Webapplikationen weiterzuentwickeln. Gleichzeitig erweitert die Präsentation das Verständnis für solch wegweisenden Google/Open Source Entwicklungen wie Gears, Android, App Engine, Data APIs, Webb Toolkit, OpenID und OpenSocial. Es wird einmal mehr klar, dass das Web uns noch massiv überraschen wird. Löblicherweise sind die Präsentationen auch für Nicht-Geeks verständlich.

31. Jan 2008

Die grössten Fehler von Online-Verlegern

Robert Niles von der Annenberg School of Communication an der USC in Los Angeles beleuchtet in der Online Journalism Revue die wichtigsten Fehler neuer Online-Verleger. Die vielleicht provokativste Aussage: Es ist ein Fehler die Rendite als Motivation zu nehmen. “Leidenschaft schlägt Professionalität” meint er und verweist auf die vielen Nachrichtenseiten die ähnlich langweilig daher kommen und es nicht schaffen, ihre Leser wirklich zu elektrisieren. Weiter findet er es einen grossen Fehler

  • Zu viele Nutzer gleichzeitig ansprechen zu wollen
  • Nicht bescheiden zu sein und die Leser mitgestalten zu lassen
  • Spam persönlich zu nehmen statt als ein zwar lästiges aber eindämmbares Übel
  • Der Welt zu erzählen was man machen wird ohne es schon getan zu haben
  • Auf zu viel Geld statt auf eine starke Persönlichkeit zu bauen
  • Irreführende Statistiken (Hits, Pageviews) statt von Roboterbesuchen gefilterte Unique Visits zu verwenden
  • unrealistische Ziele anzustreben

Da kommt ganz schön was zusammen.